Tyskflagg.jpg  Der Jørundgard entsteht 

 Pilegrims, 612 33700/info@online.no

1991 wurde eine Projektgruppe mit der Erstellung eines Angebotes in Nord-Sel beauftragt, dessen Ausgangspunkt Kristin Lavranstochter und Sigrid Undset sein sollten. Zur selben Zeit begannen die Vorarbeiten zur Verfilmung des Romans ”Der Kranz”. Das Filmteam war auf der Suche nach einem geeigneten Ort für die Außenaufnahmen. Man wollte einen echten Hof aufbauen, nicht nur Kulissen, die abgerissen werden  würden, sobald die Schlußscene gefilmt war. So entstand Jörundgard ungefähr dort, wo einst Jörundstad gelegen hatte.

 

Fünf Gebäude wurden im Auftrag der Gemeinde Sel in einem ABM-Blockbaukurs mit 15 Teilnehmern errichtet: Die Schmiede, die Scheune, das Dachbodenhaus, das Stabbur und eine Stabkirche; außerdem die Einzäunung um den gesamten Hof. Die ”Årestue” (Rauchlochstube), ein im Studio bei Oslo für Innenaufnahmen benutztes Blockhaus mit offener Feuerstelle und Rauchabzug, wurde im Sommer 1996 auf dem Hof wiederaufgebaut. Außerdem wurden Innenausstattung und Requisiten, die bei den Filmaufnahmen verwendet worden waren, mit drei Lastzügen eingefahren und auf Hof und Häuser verteilt. 1996-97 wurde der Außenhof mit Schweinestall, Schafstall und einem Ausstellungsgebäude für Kirchenutensilien ausgebaut. Die Scheune wurde vom Innen- auf den Außenhof verlegt, wo sie nach mittelalterlichem Brauch hingehörte. Ein neues Dachbodenhaus wurde dort errichtet, wo die Scheune gestanden hatte.


 

Der Innenhof

 

1.  Die Schmiede

In der Schmiede wurden Geräte, Waffen und andere Ausrüstung hergestellt, u.a. Hufeisen, Speere, Panzerhemden, Schlösser, Schlüssel und Schmuck. Die Schmiede war Domäne der Männer, die Arbeit schwer und verantwortungsvoll. Man glaubte, daß Frauen in der Schmiede Unglück bedeuten. Eigentlich sollte die Schmiede außerhalb des Innen- und Außenhofs liegen, am besten nahe beim Fluß — wegen der Feuergefahr. Aus demselben Grund bekam die Schmiede hier ein Steindach.

 

2.  Der Pferdestall

Der Pferdestall hätte nach einstigem Brauch an die Grenze zwischen Innenhof — dem Bereich der Menschen — und Außenhof — dem Bereich der Tiere — gehört. Das Pferd war nämlich hoch angesehen und wurde als einziges Tier zusammen mit den Menschen auf dem Innenhof geduldet. Der Platz, den der Pferdestall hier einnimmt, wurde aus filmtechnisch bedingten Gründen gewählt.

 

3.  Das Dachbodenhaus

Dieses Gebäude ist verhältnismäßig groß. Hier war Platz für Jungfern und Brautpaare, hier wurde Korn und allerlei Lagergut aufbewahrt. Die Treppe wirkt ungewöhnlich, aber solche Treppen waren im Mittelalter tagtäglich. Sie waren aus einem einzigen Holzstück gesägt — je größer und älter der Baum, desto besser.

Auf dem Boden steht auch Kristins Brautbett. In Zukunft sollen Besucher auf Jörundgard im Hochzeitsbett übernachten können.

 

4.  Der Kohlenmeiler

Ist ein igluförmiger, aus Lehm gebauter Räucherofen, der zum Fisch- und Fleischräuchern verwendet wurde.

 

5.  Das Küchenhaus

Hier wurde gebacken, gekocht, gebraut, geschlachtet und mit Pflanzenfarben gefärbt. Die Steinplatten, auf denen das Fladenbrot gebacken wurde, waren meistens aus Talk, einer in dieser Gegend häufig vorkommenden Steinart, die leicht zu bearbeiten ist und sich lange warm hält. Das Grasdach ist mit sieben Decken Birkenrinde, und Torf gedeckt – nach damaliger Ansicht ein Mindestmaß zum Schutz gegen Wind und Wetter.

 

6.  Das Stabbur

Trägt seinen Namen nach der Stabbauweise. Im Mittelalter war das Vorratshaus meist noch ein ”Aurbu” (Kieshaus), weil für den Boden anstatt Holz ”Aur” (Kies, Erde) benutzt wurde. Unser Haus ist eine besondere Mischung von Aurbu und Stabbur, die sowohl Stab- wie Blockbauweise in sich vereint. Die Aurbu oder das Stabbur dienten hauptsächlich als Vorratshäuser für Lebensmittel.

 

7.  Die ”Årestue” (Rauchlochstube) aus Jar Ist im Unterschied zu den anderen Gebäuden auf dem Hof nicht in Block-, sondern Stabbauweise errichtet. Die Türöffnungen sind so niedrig, weil dort mindestens zwei übereinanderliegende Holzklotze nötig sind, um eine solide Konstruktion zu gewährleisten. Niedrige Türeingänge werden von vielen auch als überlieferter Brauch aus der brutalen Wikingerzeit angesehen, weil man sich leichter gegen einen Feind wehren konnte, der sich beim Eindringen bücken mußte. Andere meinen, die niedrige Türöffnung hätte den Gast zwingen sollen, beim Eintreten seinen Kopf zu neigen und damit seine Ehrfurcht vor den Hausbesitzern zu beweisen.

 

8.  Die Badestube

Gehörte zur gewöhnlichen Ausstattung eines mittelalterlichen Bauernhofes. Wie auf den meisten alten Höfen liegt die Badestube von Jörundgard am Fluß außerhalb des Hofes.

 

9.  Die Sels-Årestue

Hier waren die Familienmitglieder, das Gesinde, Mönche und die unfreien Knechte beim Essen und der häuslichen Arbeit versammelt. Der Hausherr thronte auf dem Ehrensitz am Tischende; den weiteren Rangoberen standen ebenfalls gewisse Plätze bei der Tischordnung zu, die ihren Stand widerspiegelten. Auf dem Jörundgard stehen zwei Rauchlochstuben; sehr große Höfe besaßen nicht selten bis zu drei und vier. Die Bezeichnung ”Årestue” kommt von der offenen Feuerstelle (norwegisch: ”Åre”) mitten im Haus mit einer Dachluke, durch die der Rauch abzieht.

 

Die Årestue war gleichzeitig Schlafraum. Wer kein Bett hatte, schlief auf holzplattenbedeckten Lehmbänken mit allerlei Tierfellen als warme Unterlagen und Decken. Der Lehmboden in dieser Årestue war zwar praktisch im Hinblick auf die Feuergefahr, aber recht staubig, kalt und dunkel. Quer unter dem Dach befinden sich zwei mächtige, mit den Wänden verzahnte Stützbalken, die das Dach aufrecht- und die Wände zusammenhalten. Das Haus ist in der sogenannten Finndalsblockbauweise errichtet, der ältesten in Norwegen bekannten Blockbautechnik.

 

10.  Der überdachte Gang

Zwischen der Årestue und dem Dachbodenhaus müßte — kulturhistorisch korrekt - der Erde entlang verlaufen. Aus verschiedenen filmtechnischen Gründen und nicht zuletzt um die E6 im Hintergrund zu verdecken, mußte allerdings eine andere Lösung gewählt werden.

 

11.  Der Brautboden

Das höchste Ansehen auf dem mittelalterlichen Hof hatten die Gebäude mit Dachboden. Dort wurde die Kleidung und das wertvolle Getreide aufbewahrt. Meistens schliefen die jungen Mädchen im Sommer auf dem Dachboden, und das Gebäude war auch sonst Treffpunkt für die jungen Leute auf dem Hof. Im Dachgeschoß wurde oft das Brautgemach hergerichtet. Auch Kristin und Erlend verbrachten dort ihre Hochzeitsnacht. Eine Schlafstelle im Brautgeschoß war übrigens eine Gunst, mit der nur hochgeschätzte Gäste rechnen durften.

 

12.  Die Spinnstube

Ist das einzige der ursprünglichen Häuser, in dem Innenscenen gedreht wurden. Das Haus besteht aus ungefähr 250 Jahre altem Holzmaterial, das von einer Scheune in Raelingen bei Oslo stammt. Aus filmtechnischen Gründen mußte die Stube mit mehr Lichtöffnungen und Luken als gewöhnlich gebaut werden. Die Spinnstube war die Domäne der Frauen auf dem Hof. Von den kleinen Mädchen über die Jungfern und jungen Frauen bis zu den Greisinnen — hier versammelten sie sich zum Weben, Stopfen, Nähen und zur Arbeit am Spindel.

 

 

Der Außenhof

 

13.  Der Schweinestall

Ist wie die meisten anderen Gebäude ein Finndalsblockbau. Die Rasse, die hier gehalten wird, steht dem Wildschwein nahe — wie die Zahmschweine im Mittelalter vermutlich auch.

  

14.  Der Schafstall

Die Urschafe, die es hier noch gibt, verschmähen bis heute den nach allen Regeln der Kunst gebauten Schafstall. Sie halten sich einfach lieber im Freien auf.

 

15.  Die Scheune

In der Scheune wurde damals wie heute Gras und Heu gelagert. Früher diente sie nicht selten auch als Schlafstelle für Arbeitsleute, Pilger und fahrendes Volk. Das Dach ist mit 3000 handgemachten Holzspänen gedeckt.

 

16.  Das Ausstellungsgebäude

Ist ursprünglich als Scheune gebaut. Hier werden die Kloster- und Kirchenrequisiten, als auch die Kostüme fur das Theaterspiel «Der Kranz» ausgestellt. Hier kann man auch eine Karte finden, worauf die vier wichtigsten Pilgerorte aufgezeichnet sind: Rom, Jerusalem, Santiago de Compostela und Nidaros. Der Sessel mit dem Loch ist eine mittelalterliche Sitzheizungserfindung Man legte grosse heisse Steine ins Loch rein, um es gemütlich zu haben.

 

17.  Die Kirche

Ist auf Stabbauweise errichtet. Diese Bauart war häufig benutzt, bevor die Blockbauweise rund um 1100 in Brauch kamm.

  Unsere Stabkirche ist einfach gebaut, was gibt uns aber eine besondere Vorstellung davon, wie eine mittelalterliche Messe aussah:

das Volk betet im Stehen, weil es keine Bänke gibt, und das Taufbecken steht vor der Eingangstur.

  Für den Film über Kristin Lavranstochter wurde eine Kirche gebaut, die aber, der Handlung entschprechend, niedergebrannt werden musste.

Die neuaufgebaute Kirche ist eine Kopie von der alten.

Drives av Idium Web